Gewerbeanmeldung

Den steuerlichen Erfassungsbogen richtig ausfüllen4 min Lesezeit

Das Finanzamt schickt jedem Unternehmensgründer nach der Gewerbeanmeldung den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu. Der Gewerbetreibende muss diesen steuerlichen Erfassungsbogen ausfüllen und an das Finanzamt übermitteln, um eine Steuernummer zu bekommen.

5. Mai 2019 3 min Lesezeit

Den steuerlichen Erfassungsbogen richtig ausfüllen4 min Lesezeit

Für dieses Prozedere haben Unternehmensgründer einen Monat Zeit. Das Finanzamt prüft sodann die Angaben, bevor es dem Betroffenen eine Steuernummer zuteilt. Es dauert regelmäßig einige Wochen, bis das Antwortschreiben des Finanzamtes samt Steuernummer eintrifft.

Tipp: Gewerbetreibende, die das Verfahren und den Erhalt der Steuernummer rasch abwickeln möchten, können dem zuständigen Finanzamt den ausgefüllten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bereits vor der behördlichen Aufforderung übermitteln.

Schritt 1: Der passende Fragebogen für die jeweilige Rechtsform

Die entsprechenden Formulare sind auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen und auf den Seiten der Industrie- und Handelskammern abrufbar. Welcher Fragebogen relevant ist, richtet sich nach der Rechtsform, in der der Gewerbetreibende seine Tätigkeit ausübt:

  • Einzelunternehmer: Formular 001 Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
  • Gründung einer Personengesellschaft: Formular 005 Fragebogen zur steuerlichen Erfassung/Gründung einer Personengesellschaft
  • Gründung einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft: Formular 020 Fragebogen zur steuerlichen Erfassung/ Gründung einer Kapitalgesellschaft
  • Gründung einer Körperschaft nach ausländischem Recht (z. B. Ltd.): Formular 030 Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Tipp: Jeden dieser steuerlichen Erfassungsbögen gibt es als ausfüllbares Formular oder als PDF-Version. Wer das Formular auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen nutzt, sollte den fertig ausgefüllten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung auf einem lokalen Datenträger speichern oder ausdrucken. Das FMS der Bundesfinanzverwaltung speichert die eingegebenen Daten und Fakten nur zeitlich beschränkt beziehungsweise bis zur Beendigung der Sitzung.

Schritt 2: Ausfüllhilfe zum steuerlichen Erfassungsbogen nutzen

Das Bundesministerium für Finanzen stellt für die jeweiligen Erfassungsbögen Ausfüllhilfen zur Verfügung. Einzelunternehmer sowie die Geschäftsführer von Personengesellschaften und die Vertreter von Kapitalgesellschaften können die Fragebögen zur steuerlichen Erfassung anhand dieser Hilfestellungen ausfüllen.

Tipp: Die zum jeweiligen Erfassungsbogen gehörige Ausfüllhilfe finden Betroffene direkt im Fragebogen, den sie online geöffnet haben. Sie können am oberen Rand des Dokuments das Raster „Ausfüllhilfe“ anklicken, um die Anleitungen zu lesen. In diesem PDF-Dokument „Ausfüllhilfe“ gibt es detaillierte Beschreibungen zu den einzelnen Punkten des steuerlichen Erfassungsbogens.

Schritt 3: Angaben im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung einfügen

Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung fragt das Finanzamt verschiedene Angaben zur Person des Gewerbetreibenden sowie steuerliche Informationen zu voraussichtlichen Umsätzen und Erträgen ab, die die gewerbliche Tätigkeit abwerfen wird. Im ersten Feld ist das zuständige Finanzamt einzutragen. Das zweite Feld bleibt für gewöhnlich frei, weil der Betroffene die Steuernummer erst nach der Abgabe des Erfassungsbogens erhält.

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung unterteilt sich in diese Bereiche (am Beispiel des Formulars für Einzelunternehmer):

1. Allgemeine Angaben

  • Steuerpflichtiger
  • Ehepartner
  • Kontaktdaten
  • Gewerbezweig
  • Bankverbindung
  • Steuerliche Beratung

2. Angabe zur gewerblichen Tätigkeit

  • Anschrift des Unternehmens
  • Beginn der Tätigkeit
  • Betriebsstätten
  • Handelsregistereintragung
  • Gründungsform

3. Angaben zur Festsetzung von Vorauszahlungen (Einkommenssteuer, Gewerbesteuer)

  • Voraussichtliche Einkünfte
  • Voraussichtliche Sonderausgaben

4. Angaben zur Gewinnermittlung

5. Freistellungsbescheinigung nach § 48 EStG

6. Angaben zur Lohnsteuer (Anmeldung und Abführung)

7. Angaben zur Umsatzsteuer (Anmeldung und Abführung)

  • geschätzte Umsätze für das Eröffnungsjahr und Folgejahr

8. Angaben zur Beteiligung an einer Personengesellschaft

Achtung bei Punkt 3: Voraussichtliche Einkünfte realistisch einschätzen und im Fragebogen eintragen

Im steuerlichen Erfassungsbogen müssen Gewerbetreibende unter anderem die voraussichtlichen Einkünfte einschätzen. Diese Angaben sollten wohlüberlegt sein, weil ansonsten hohe Vorauszahlungen anstehen oder bei zu niedriger Schätzung Nachzahlungen drohen.

Unter Punkt „3. Angaben zur Festsetzung der Vorauszahlungen“ müssen Gewerbetreibende die Einkünfte angeben, die sie im Jahr der Eröffnung und im Folgejahr voraussichtlich erzielen werden. Das Finanzamt benötigt diese Schätzwerte, um die Vorauszahlungen für die Einkommenssteuer und Gewerbesteuer festzulegen.

Diese Angaben beeinflussen die Wirtschaftssituation zu Beginn der Gewerbetätigkeit. Wenn Gewerbetreibende die geschätzten Einkünfte zu hoch beziffern und daher hohe Vorauszahlungen tätigen müssen, kann dies zu finanziellen Problemen führen. Fallen die Schätzwerte zu niedrig aus, können hohe Nachzahlungen folgen. Wie gefährlich dies werden kann, zeigt dieses Beispiel: Herr Müller gibt eine sehr niedrige Gewinnschätzung ab, um keine zu hohen Vorauszahlungen aufgebrummt zu bekommen. Nach dem ersten Geschäftsjahr reicht er seine Steuererklärung ein. Aufgrund der deutlich zu geringen Vorauszahlungen wird er nun mit einer heftigen Nachzahlung konfrontiert. Womit er nicht gerechnet hat: Gleichzeitig erhöht der Sachbearbeiter die künftige Vorauszahlung im gleichen Maße. Da der Steuerbescheid erst zur Mitte des Jahres ergeht, muss er nun auf einmal nicht nur die hohe Nachzahlung zahlen, sondern auch mindestens zwei der neuen Vorauszahlungsraten. Für ein junges Unternehmen kann dies den finanziellen Ruin oder zumindest eine starke Belastung der Liquidität bedeuten.

Tipp: Im Idealfall wählen Unternehmensgründer den Mittelweg und schätzen die Einkünfte möglichst realistisch ein. Sie sollten die eigene Finanzsituation zu Beginn der Tätigkeit laufend überprüfen und gegebenenfalls Rücklagen für spätere Nachzahlungen anlegen.

Schritt 4: Fragebogen unterschreiben und dem Finanzamt übermitteln

Sobald der Gewerbetreibende den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vollständig ausgefüllt hat, muss er das Formular unterschreiben und alle benötigten Anlagen beilegen. Dies sind beispielsweise ein SEPA-Lastschriftmandat für den Lastschrifteinzug der geschuldeten Steuern, eine Empfangsvollmacht und bei Gesellschaften zusätzlich ein Gesellschaftsvertrag. Gewerbetreibende können die unterschriebenen Erfassungsbögen entweder auf dem Postweg übermitteln oder persönlich beim Finanzamt abgeben.

Bildnachweis: mavoimages / stock.adobe.com

Freiberufler, selbstständiger Unternehmer und bereits seit über zehn Jahren erfolgreich selbstständig.