Gewerbeanmeldung

Der richtige Zeitpunkt: Wann ist die Gewerbeanmeldung durchzuführen?4 min Lesezeit

Hat der Betroffene herausgefunden, dass er eine gewerbliche Tätigkeit ausüben möchte und ein Gewerbe anmelden muss, stellt sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Gewerbeanmeldung.

18. Mai 2019 3 min Lesezeit

Der richtige Zeitpunkt: Wann ist die Gewerbeanmeldung durchzuführen?4 min Lesezeit

Idealerweise kümmern sich Selbstständige, für die die Anmeldepflicht gilt, bereits vor der Tätigkeitsaufnahme um die nötigen Unterlagen. Die beste Lösung besteht darin, das Gewerbe anzumelden, bevor die gewerbliche Tätigkeit startet. Dies entspricht den Vorgaben des Gesetzgebers und den Empfehlungen der Gewerbeämter. Aus Gründen der Rechtssicherheit ist eine frühzeitige Gewerbeanmeldung ebenfalls sinnvoll. Die Gewerbeordnung verlangt jedenfalls eine Anzeige mit Beginn der Tätigkeit. Bei einer fehlenden oder verspäteten Gewerbeanmeldung drohen Bußgelder. In diesem Fall ist der Gewerbetreibende darauf angewiesen, dass ihm die Behörde entgegenkommt, wenn er keine Geldbuße bezahlen und das Gewerbe rückwirkend anmelden möchte.

Gewerbeordnung mit klarem Wortlaut: Beginn der gewerblichen Tätigkeit ist anzuzeigen

§ 14 GewO normiert, dass Personen den Beginn eines Gewerbes bei der zuständigen Behörde melden müssen. Laut Gesetz müssen Betroffene das Gewerbe dann anzeigen, wenn sie mit der gewerblichen Tätigkeit beginnen. Doch was bedeutet dieser Gesetzeswortlaut für die Praxis?

Gewerbeanmeldung vor dem Start der Gewerbetätigkeit

Die IHK Hannover beantwortet die Frage, wann das Gewerbe anzumelden ist, mit einer klaren Aussage. Demnach muss der Betroffene die Gewerbeanmeldung durchführen, bevor er die gewerbliche Tätigkeit aufnimmt. Dies bedeutet, dass der Gewerbeschein bereits vor dem eigentlichen Startschuss für den Gewerbebetrieb einzuholen ist.

Tipp: Angehende Gewerbetreibende, die noch zusätzliche Nachweise wie eine spezielle Gewerbegenehmigung oder die Eintragung des Handwerks bei der Handelskammer erbringen müssen, sollten sich rechtzeitig um diese Formalitäten kümmern. Diese Bescheinigungen sind regelmäßig bereits zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung vorzulegen.

Die frühzeitige Anmeldung des Gewerbes ist auch aus anderen Gründen sinnvoll. Sie legt den Grundstein dafür, dass der Gewerbetreibende rechtssicher entscheiden und ebenso handeln kann. Dies bringt außerdem Sicherheit im Umgang mit den Kunden und Geschäftspartnern.

Betreiben eines Gewerbes vor der Gewerbeanmeldung ist ordnungswidrig

Ein Gewerbe zu betreiben, ohne eine Gewerbeanmeldung durchzuführen, widerspricht dem Gesetz und stellt ein ordnungswidriges Verhalten dar. In einigen Gewerbebereichen ist dies gar nicht durchführbar, weil zusätzliche Auflagen einzuhalten sind. Dies betrifft zum Beispiel Sparten wie die Gastronomie, Versicherungsmakler, Handwerk und Bewachungsdienste.

Gewerbeanmeldung rückwirkend durchführen

Gewerbetreibende, die ihr Gewerbe nicht rechtzeitig angezeigt haben und rückwirkend eine Gewerbeanmeldung durchführen möchten, sind auf das Entgegenkommen der zuständigen Behörde angewiesen. Einige Gewerbeämter sind bereit, den Betroffenen Zugeständnisse zu machen, wenn der Start der gewerblichen Tätigkeit lediglich wenige Wochen zurückliegt. In diesen Fällen ist die Initiative des Gewerbetreibenden gefragt. Auf eine Reaktion der Behörde wie einen Bußgeldbescheid zu warten, wäre der falsche Weg.

Tipp: Erfolgt die Gewerbeanmeldung mit einer Verspätung von einigen Wochen oder Monaten, sollte der Gewerbetreibende selbst vor der zuständigen Behörde vorsprechen und sein Versäumnis persönlich nachholen, sprich die Anmeldung eigenständig vornehmen. Gibt es eine nachvollziehbare Erklärung, warum die Gewerbeanmeldung erst verspätet erfolgt, kann dies die Kulanzbereitschaft der Behörde erhöhen.

Eine rückwirkende Gewerbeanzeige kann sinnvoll sein, wenn der Gewerbetreibende eine größere Anschaffung für den Betrieb getätigt hat. Gibt es eine offizielle Gewerbeanmeldung, kann er diese Aufwendung als Betriebsausgabe ausweisen.

Konsequenzen bei der Verletzung der Anmeldepflicht

Wer den richtigen Zeitpunkt zur Gewerbeanmeldung nicht einhält, dem drohen Konsequenzen. Personen, die der Verpflichtung zur Gewerbeanmeldung unterliegen, begehen eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie das Gewerbe nicht, nicht rechtzeitig, unvollständig oder nicht korrekt anmelden (§ 146 Absatz 2 Nr. 2 Gewerbeordnung).

Wird diese Anmeldepflicht verletzt, können die zuständigen Behörden eine Geldbuße von bis zu 1.000 Euro aussprechen. In der Praxis verhängen Gewerbeämter nur dann hohe Bußgelder, wenn der Betroffene mehrere Monate ohne Gewerbeanmeldung gewerblich tätig war. Eine Verspätung von lediglich einer Woche führt regelmäßig zu keiner Strafe.

Hinweis: Ob eine Geldbuße zu zahlen ist oder der Betroffene straffrei davonkommt, kann je nach Einzelfall variieren. Es liegt an der Kulanzbereitschaft des zuständigen Gewerbeamtes, wie die Konsequenzen ausfallen. Unter Umständen kann der Betroffene eine Strafmilderung herausholen, wenn er die Gewerbeanmeldung persönlich nachholt und nachvollziehbare Gründe für sein verspätetes Handeln nennt.

Im Idealfall nehmen Gewerbetreibende die Anmeldung rechtzeitig vor, um sich diese negativen Folgen zu ersparen und nicht auf das Entgegenkommen der Behörde angewiesen zu sein.

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