Gewerbeanmeldung

Die Gruppe der Freiberufler: Selbstständige Tätigkeit ohne Gewerbeanmeldung4 min Lesezeit

Selbstständige können je nach ausgeübtem Berufsbild Gewerbetreibende oder Freiberufler sein. Diese Unterscheidung ist in Hinblick auf die Pflicht zur Gewerbeanmeldung wichtig.

17. Mai 2019 3 min Lesezeit

Die Gruppe der Freiberufler: Selbstständige Tätigkeit ohne Gewerbeanmeldung4 min Lesezeit

Freiberufler benötigen keine Gewerbeanmeldung. Zur Gruppe der freien Berufe gehören Selbstständige, die beispielsweise ärztliche Tätigkeiten, Heilberufe, rechtswissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Tätigkeiten, technische Berufe oder Sprachberufe ausüben. Ob jemand Freiberufler ist, entscheidet die Behörde im Einzelfall.

Freiberufler benötigen keine Gewerbeanmeldung

Eine Gewerbeanmeldung benötigen jene Existenzgründer und Selbstständigen, die gewerbliche Tätigkeiten ausüben. Wer hingegen freiberuflich tätig wird, meldet kein Gewerbe an. Die Gruppe der Freiberufler ist von der Pflicht zur Durchführung einer Gewerbeanmeldung ausgenommen.

Tipp: Freiberufler melden ihre Tätigkeit nicht beim Gewerbeamt an, müssen aber beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen. Sie bezahlen keine Gewerbesteuer.

Wie ist der Begriff „Freiberufler“ definiert?

Als Freiberufler gelten Personen, die aufgrund ihrer Tätigkeit den freien Berufen zuzuordnen sind. Anhaltspunkte wie der deutsche Gesetzgeber die Begriffe freie Berufe und freiberufliche Tätigkeit definiert, finden sich in § 1 Absatz 2 PartGG (Partnerschaftsgesellschaftsgesetz) und § 18 Absatz 1 EStG.

Typische Merkmale für Freiberufler

Demnach sind Personen, die

  • beruflich selbstständig und eigenverantwortlich auftreten und
  • eine Tätigkeit ausüben, die wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch, erzieherisch oder unterrichtend ist,

als Freiberufler einzustufen.

Weitere Voraussetzung: Berufliche Qualifikation oder schöpferisches Talent

Als weitere Voraussetzung für „freie Berufe“ nennt der Gesetzgeber das Erbringen von höheren Dienstleistungen, die auf einer speziellen beruflichen Qualifikation oder einem schöpferischen Talent beruhen. Die besonderen Kenntnisse können, müssen aber nicht auf einem Hochschulstudium basieren. Demnach können auch Personen, die kein Hochschulstudium absolviert haben, sondern ihre speziellen Fähigkeiten im Selbststudium oder Berufsleben erworben haben, freie Berufe ausüben. Der EuGH spricht von intellektuellen Tätigkeiten, die eine hohe Qualifikation voraussetzen und die persönliche Ausübung in den Vordergrund stellen.

Wer zählt zur Gruppe der Freiberufler?

Es gibt keine vollständige Liste, die alle freien Berufe verbindlich festschreibt. Der Gesetzgeber zählt in § 18 Absatz 1 EStG einige Berufe auf, die der freiberuflichen Tätigkeit zuzuordnen sind (sogenannte Katalogberufe). Als klassische Freiberufler gelten Ärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater. Unabhängig davon gibt es noch einige andere beruflichen Tätigkeiten, die als freiberuflich einzustufen sind.

Der Katalog freier Berufe (Katalogberufe gemäß § 18 EStG)

Wer eines dieser klassischen Berufsbilder selbstständig ausübt, ist freiberuflich tätig. Diese Übersicht listet die gesetzlich genannten Katalogberufe auf und fasst diese freien Berufe in Gruppen zusammen:

  1. Gruppe: Ärztliche Berufe
    Selbstständige Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte zählen zu den Freiberuflern.
  2. Gruppe: Andere Heilberufe
    Die Zugehörigkeit zu den freien Berufen gilt auch für Dentisten, Heilpraktiker und Krankengymnasten, die ihren Beruf selbstständig ausüben.
  3. Gruppe: Rechtswissenschaftliche Berufe
    Zu den Freiberuflern gehören zudem selbstständige Notare, Rechtsanwälte und Patentanwälte.
  4. Gruppe: Betriebswirtschaftliche Berufe
    Auf Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer und Steuerbevollmächtigte trifft die Bezeichnung freie Berufe ebenso zu wie auf beratende Betriebswirte und Volkswirte.
  5. Gruppe: Technische Berufe
    Die selbstständige Tätigkeit von Architekten, Ingenieuren, Vermessungsingenieuren und Handelschemikern steht ebenfalls im Katalog der freien Berufe.
  6. Gruppe: Medien- und Sprachberufe
    Zudem ergänzen Berichterstatter, Journalisten, Dolmetscher und Übersetzer den Katalog der freien Berufe.

Diese Berufsbilder bilden die Gruppe der Katalogberufe, die der Gesetzgeber gemäß § 18 Absatz 1 Nr. 1 EStG als freie Berufe einstuft. Selbstständige, auf die alle Merkmale eines dieser Katalogberufe zutreffen, üben eine freiberufliche Tätigkeit aus. Erfüllen sie diese Voraussetzungen nicht, sind sie als Gewerbetreibende einzustufen. Unternehmer, die einem künstlerischen, wissenschaftlichen, schriftstellerischen oder erzieherischen Beruf nachgehen, gelten ebenfalls als Freiberufler.

Berufe, die den Katalogberufen ähnlich sind (Ähnliche Berufe)

Außerdem können Personen, die diesen Katalogberufen ähnliche Berufe ausüben, Freiberufler sein. Dies setzt voraus, dass dieser Beruf in Hinblick auf Ausbildung und Berufstätigkeit Ähnlichkeiten zum Katalogberuf zeigt. Ein ähnlicher Beruf ist anzunehmen, wenn

  • das Berufsbild einem bestimmten Katalogberuf in allen wesentlichen Merkmalen entspricht
  • der Betroffene über einen Ausbildungsstand verfügt, der jenem des Katalogberufs ähnlich ist
  • für diesen Beruf ähnliche berufsrechtliche Vorschriften gelten wie für den Katalogberuf

Tipp: Findet sich der ausgeübte Beruf nicht in der Liste der freien Berufe und zählt er nicht zu den ähnlichen Tätigkeiten, handelt es sich regelmäßig um eine gewerbliche Tätigkeit.

Einstufung als Freiberufler: Einzelfallentscheidung der Behörde

Die Antwort auf die Frage, ob jemand als Freiberufler einzustufen ist, fällt nicht immer leicht. In einigen Fällen bereitet es Schwierigkeiten, eine freiberufliche Tätigkeit von einer gewerblichen Tätigkeit zu unterscheiden. Diese Beispiele zeigen, dass die Abgrenzung nicht immer eindeutig ist.

  • Beispiel 1: Für das Berufsbild Unternehmensberater gibt es keine allgemeingültige Tätigkeitsbeschreibung und auch keine eindeutige Zuordnung zur Gruppe der freien Berufe. Das Finanzamt klärt im Einzelfall, ob der Unternehmensberater als Freiberufler anzusehen ist oder ob er eine Gewerbetätigkeit ausübt. Es analysiert, welche Tätigkeiten der Betroffene ausübt und welche Qualifikationen dafür erforderlich sind.
  • Beispiel 2: Künstler und Schriftsteller gelten dann als Freiberufler, wenn sie schöpferisch tätig sind und keine Werke in hoher Stückzahl auf Bestellung anfertigen.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Abgrenzung zum Gewerbetreibenden ist, dass Freiberufler eine geistige Arbeit mit schöpferischem Charakter ausüben.

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Freiberufler, selbstständiger Unternehmer und bereits seit über zehn Jahren erfolgreich selbstständig.