Gewerbeanmeldung

Die richtige Rechtsform für die Gewerbeanmeldung4 min Lesezeit

Welche Rechtsform bei der Gewerbeanmeldung sinnvoll ist, richtet sich nach verschiedenen Faktoren:

1. Mai 2019 3 min Lesezeit
Die Wahl der Rechtsform

Die richtige Rechtsform für die Gewerbeanmeldung4 min Lesezeit

  • Anzahl der Unternehmensgründer
  • Unternehmensleitung
  • Eintragung ins Handelsregister: ja oder nein?
  • benötigtes Kapital und Fachwissen
  • Kreditwürdigkeit
  • Einschränkung der persönlichen Haftung
  • Betriebsgröße

Die Rechtsformen im Überblick

Die Rechtsformen lassen sich in Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterteilen, die sich jeweils für unterschiedliche Zielgruppen eignen:

Einzelgründer

Wer einen Gewerbebetrieb alleine gründen möchte, führt ein Einzelunternehmen als Kleingewerbetreibender oder Einzelkaufmann (e.K.).

Einzelunternehmen als Kleingewerbetreibender

Ein Einzelunternehmer kann seinen Gewerbebetrieb nur dann als Kleingewerbe betreiben, wenn ein kaufmännischer Geschäftsbetrieb nicht notwendig ist. Es erfolgt keine Eintragung ins Handelsregister. Ein Kleingewerbetreibender tritt mit seinem persönlichen Vor- und Nachnamen im Geschäftsverkehr auf, unterliegt dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und haftet für die Unternehmensschulden uneingeschränkt mit dem Privatvermögen. Umgekehrt benötigt er kein Mindestkapital und kann sein Unternehmen ohne teure Formalitäten gründen.

Einzelkaufmann (e.K.)

Ist ein kaufmännischer Geschäftsbetrieb nötig, muss der Einzelunternehmer sein Gewerbe im Handelsregister eintragen lassen und die Vorschriften des HGB anwenden. Ob ein Gewerbetreibender als Einzelkaufmann gilt, richtet sich nach mehreren Faktoren:

  • Art der Geschäftstätigkeit: Produkt- und Leistungsvielfalt, Fremdfinanzierung, regionale oder internationale Unternehmenstätigkeit, große Lagerhaltung, großangelegte Werbung
  • Umfang: Umsatzvolumen, Betriebsvermögen, Mitarbeiteranzahl, eine oder mehrere Betriebsstätten
  • Umsatzzahlen: In diesem Bereich gelten insbesondere Umsätze in Höhe von 175.000 Euro (Dienstleistungen), 250.000 Euro (Einzelhandel, Hotels) und 300.000 Euro (Produktion, Großhandel, Gaststätten) als Richtwerte für die Einstufung als Kaufmann.

Diese Punkte sprechen dafür, dass eine kaufmännische Einrichtung notwendig ist:

  • mehr als fünf Mitarbeiter
  • Betriebsvermögen von mehr als 100.000 Euro
  • Kreditbeträge von mehr als 50.000 Euro
  • mehrere Niederlassungen

Ein Einzelkaufmann trägt den Firmenzusatz e.K. (eingetragener Kaufmann) und unterliegt der Buchführungspflicht. Er benötigt kein Mindestkapital, übernimmt aber für die Unternehmensschulden die volle Haftung.

Gründung als Partner ohne teure Formalitäten

Möchten mindestens zwei Personen einen Gewerbebetrieb als Partner führen, können sie eine Personengesellschaft gründen:

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Handelt es sich um ein Kleingewerbe, schließen sich die Partner zu einer GbR zusammen, ohne kostspielige Formalitäten zu erledigen und ein Mindestkapital zu leisten. Jeder Gesellschafter darf mitbestimmen und haftet für die Gesellschaftsschulden mit seinen privaten Vermögenswerten.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Partner, die eine OHG gründen, müssen diese Personengesellschaft im Handelsregister eintragen lassen und die Rechnungslegungspflichten des HGB berücksichtigen. Sie benötigen kein Grundkapital und müssen keinen schriftlichen Gesellschaftsvertrag vorlegen. Jeder Gesellschafter kann die OHG vertreten und die Geschäfte führen, haftet aber auch für die Gesellschaftsschulden mit dem gesamten Vermögen.

Beschränkte Haftung

Gewerbetreibende, die die Haftung beschränken möchten, wählen aus diesen Rechtsformen:

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
    Eine GmbH kann ein Gewerbetreibender alleine oder mit einem Partner gründen. Für die Gesellschaftsschulden haftet nur das Gesellschaftsvermögen. Der Aufwand für die GmbH-Gründung ist hoch, weil ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro und ein Notariatsakt notwendig sind. Die GmbH wird in das Handelsregister eingetragen und unterliegt den Rechnungslegungspflichten.
    Tipp: Das Gehalt für den Geschäftsführer lässt sich von der Steuer absetzen.
  • Unternehmergesellschaft (UG)
    Bei Existenzgründern ist die Unternehmergesellschaft (UG) beliebt, weil sie im Gegensatz zur GmbH nur ein Mindeststammkapital von 1 Euro vorschreibt. Als Mini-GmbH folgt sie den Regeln der GmbH. Die Haftung ist bei der UG ebenfalls auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Die Unternehmergesellschaft kann von einem einzelnen oder mehreren Gesellschaftern gegründet werden.
  • Kommanditgesellschaft
    Wenn sich ein Gesellschafter nur mit einer Kapitaleinlage beteiligen und lediglich mit dieser für die Gesellschaftsschulden haften möchte, bietet sich die Kommanditgesellschaft (KG) an. Der andere Gesellschafter, der Komplementär, übernimmt die Leitung. Seine Haftung erstreckt sich auf das Gesellschaftsvermögen. Die Gesellschafter müssen kein Mindeststammkapital berücksichtigen, die KG aber in das Handelsregister eintragen lassen.
  • GmbH & Co. KG
    Bei der GmbH & Co. KG tritt nicht eine natürliche Person, sondern eine GmbH als Komplementär der KG auf. Das bedeutet, dass die GmbH mit dem Gesellschaftsvermögen, der Kommanditist hingegen mit der Kapitaleinlage haftet. Es entsteht ein hoher Gründungsaufwand.
  • Aktiengesellschaft (AG)
    Den größten Gründungsaufwand erfordert eine AG. Deshalb scheidet sie für die meisten Gewerbetreibenden als Rechtsform aus. Sie setzt ein Aktienkapital von mindestens 50.000 Euro voraus und unterliegt strengen Formvorschriften.

Wer muss die Gewerbeanmeldung durchführen?

Die Rechtsform entscheidet auch darüber, wer die Gewerbeanmeldung vornehmen muss:

Einzelunternehmen

Liegt ein Einzelunternehmen vor, muss sich der Gewerbetreibende um die Gewerbeanmeldung kümmern.

Personengesellschaften

Handelt es sich um eine Personengesellschaft, tritt nicht die Gesellschaft selbst, sondern ein Gesellschafter mit Geschäftsführungsbefugnis als Gewerbetreibender auf.

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und Offene Handelsgesellschaft (OHG): Bei GbR und OHG müssen alle beteiligten Gesellschafter das Gewerbe anmelden.
  • Kommanditgesellschaft (KG): Jeder Gesellschafter der KG, den eine persönliche Haftung trifft, muss eine Gewerbeanmeldung durchführen.

Juristische Personen

Führt eine juristische Person das Gewerbe, muss der gesetzliche Vertreter, nämlich der Geschäftsführer oder Vorstand, die Pflicht zur Gewerbeanmeldung erfüllen. Dies betrifft beispielsweise die Kapitalgesellschaften GmbH und AG.

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Freiberufler, selbstständiger Unternehmer und bereits seit über zehn Jahren erfolgreich selbstständig.