Gewerbeanmeldung

Gewerbesteuer nach der Gewerbeanmeldung: Steuerbelastung richtig ermitteln4 min Lesezeit

Sind Selbstständige gewerbesteuerpflichtig, entrichten sie eine Gewerbesteuer, die sich nach der Höhe des Gewerbeertrages und dem Hebesatz der jeweiligen Gemeinde richtet. Sie müssen eine Gewerbesteuererklärung einreichen und viermal jährlich Gewerbesteuer-Vorauszahlungen leisten.

16. Mai 2019 3 min Lesezeit

Gewerbesteuer nach der Gewerbeanmeldung: Steuerbelastung richtig ermitteln4 min Lesezeit

Individueller Gewerbesteuerhebesatz variiert nach Gemeinde/Stadt

Bei der Gewerbesteuer handelt es sich um eine Gemeindesteuer, die die Kommunen erheben. Jede Gemeinde legt den Gewerbesteuerhebesatz individuell fest und berechnet die Gewerbesteuerlast nach diesem speziellen Faktor. Dies bedeutet, dass Gewerbetreibende mit gleich hohem Gewerbeertrag an verschiedenen Betriebsstandorten eine unterschiedlich hohe Gewerbesteuer entrichten. Demnach bezahlt ein Tischler in Duisburg eine andere Gewerbesteuer als ein Tischler in Berlin:

Tabelle: Einige Gewerbesteuerhebesätze im Vergleich

Wie groß die Unterschiede bei den Hebesätzen sein können, zeigt diese Tabelle:

Stadt/Gemeinde Gewerbesteuerhebesatz
Duisburg 520 Prozent
München 490 Prozent
Köln 475 Prozent
Hamburg 470 Prozent
Leipzig 460 Prozent
Düsseldorf 440 Prozent
Berlin 410 Prozent

Beispiel: Ein Unternehmer verlegt seinen Firmensitz von Duisburg nach Berlin. Bei einem Jahresgewinn von 500.000 Euro hat er bisher pro Jahr 86.538,40 Euro Gewerbesteuer gezahlt, zukünftig zahlt er nur noch 68.232,20 Euro.

Große regionale Unterschiede in ein und demselben Bundesland

Ein Vergleich zeigt, dass auch die Gewerbesteuerhebesätze der unterschiedlichen Gemeinden innerhalb eines Bundeslandes stark variieren. In Nordrhein-Westfalen reicht die Bandbreite beispielsweise von 260 Prozent in Monheim bis zu 550 Prozent in Oberhausen. Der Durchschnitt liegt hier bei 448 Prozent. Brandenburg verfügt über einen durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz von 324 Prozent. Hier gibt es auch Gemeinden, die lediglich den Mindestsatz von 200 Prozent verrechnen.

Tipp: Der Hebesatz und die Steuerlast können sich demnach von Gemeinde zu Gemeinde deutlich unterscheiden. Aus finanzieller Sicht kann es lohnenswert sein, diesen Aspekt bei der Standortwahl des Gewerbebetriebes zu berücksichtigen.

Die Höhe der Gewerbesteuer: Mindestens 7 Prozent vom Gewerbeertrag

Die Gemeinden müssen bei der Festlegung des Gewerbesteuerhebesatzes gesetzliche Vorgaben beachten: Demnach muss der Hebesatz für alle in der Gemeinde angesiedelten Betriebe gleich hoch sein und mindestens 200 Prozent betragen.

Daraus ergibt sich, dass die Gewerbesteuer mindestens 7 Prozent des Gewerbeertrages ausmacht. Mit diesem Prozentsatz müssen Gewerbetreibende, deren Erträge die Freibeträge überschreiten, jedenfalls rechnen. In der Praxis ist dieser Prozentwert jedoch regelmäßig höher, weil die meisten Gemeinden Gewerbesteuerhebesätze festlegen, die den Mindest-Hebesatz deutlich übersteigen.

Gewerbesteuer berechnen: Gewerbesteuerhebesatz und Steuermesszahl

Der individuelle Gewerbesteuerhebesatz ist ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, die Gewerbesteuer zu berechnen. Als zweite wichtige Rechengröße gilt die Steuermesszahl, die der Gesetzgeber mit 3,5 Prozent des Gewerbeertrages festgelegt hat (§ 11 Absatz 2 GewStG). Diese Steuermesszahl ist für das gesamte Bundesgebiet einheitlich.

Formel für die Gewerbesteuer

Auf Basis der Rechengrößen Gewerbeertrag, gesetzliche Steuermesszahl und individueller Hebesatz lässt sich die Gewerbesteuer mit dieser Formel berechnen:

Gewerbesteuer = Gewerbeertrag x Steuermesszahl x Gewerbesteuerhebesatz

Beispielrechnung: Ein Einzelunternehmer ermittelt für seinen Gewerbebetrieb in Hamburg einen Gewerbeertrag in Höhe von 50.000 Euro (nach Berücksichtigung von Hinzurechnungen und Kürzungen). Als Einzelunternehmer kann er den Freibetrag von 24.500 Euro abziehen. Dies ergibt einen gewerbesteuerpflichtigen Betrag in Höhe von 25.500 Euro (50.000 Euro – 24.500 Euro = 25.500 Euro). Dieser Betrag ist laut GewStG mit der gesetzlichen Steuermesszahl von 3,5 Prozent zu multiplizieren:

25.500 x 3,5 Prozent (Steuermesszahl) = 829,50 Euro. Daraus ergibt sich ein Steuermessbetrag von 829,50 Euro.

Im nächsten Schritt ist dieser Steuermessbetrag mit dem Hebesatz für Hamburg zu multiplizieren, der 470 Prozent beträgt:

829,50 Euro x 470 Prozent (Hebesatz Hamburg) = 4.194,75 Euro

Demnach muss der Unternehmer für seinen Gewerbebetrieb in Hamburg Gewerbesteuer in Höhe von 4.194,75 Euro zahlen.

Gewerbesteuererklärung beim Finanzamt einreichen

Unternehmen, die der Gewerbesteuerpflicht unterliegen, müssen beim Finanzamt eine Gewerbesteuererklärung einreichen. Dies betrifft

  • Einzelunternehmer und Personengesellschaften, wenn der Gewerbeertrag höher ist als der Freibetrag von 24.500 Euro
  • Kapitalgesellschaften
  • Vereine, wenn der Gewerbeertrag den Freibetrag von 5.000 Euro überschreitet

Diese gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen müssen die Gewerbesteuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres abgeben. Gewerbebetriebe, die einen Steuerberater engagiert haben, haben bis zum 30. September des Folgejahres Zeit. Es stehen amtliche Vordrucke zur Verfügung.

Tipp: Gewerbesteuerpflichtige können die Gewerbesteuererklärung auch online erledigen, indem sie die entsprechenden Formulare im Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung ausfüllen und übermitteln.

Für die Gewerbesteuererklärung muss der Gewerbetreibende seinen Gewinn aus dem Gewerbebetrieb berechnen, der auch für die Einkommenssteuer beziehungsweise Körperschaftssteuer relevant ist. Außerdem sind die gesetzlich vorgeschriebenen Hinzurechnungen und Kürzungen bei der Berechnung des Gewerbeertrages zu berücksichtigen.

Gewerbesteuer-Vorauszahlungen leisten

Gewerbesteuerpflichtige müssen nicht nur eine Gewerbesteuererklärung abgeben, sondern auch Vorauszahlungen leisten (§ 19 Absatz 1 Satz 1 GewStG). Sie sind dazu verpflichtet, an vier Terminen jedes Jahres ein Viertel der Gewerbesteuer zu zahlen, die bei der letzten Veranlagung ermittelt wurde:

  1. Termin: 15. Februar
  2. Termin: 15. Mai
  3. Termin: 15. August
  4. Termin: 15. November

Die Gemeinde kann diese Gewerbesteuer-Vorauszahlungen an die zu erwartende Höhe der Gewerbesteuer anpassen, die im Erhebungszeitraum tatsächlich anfallen wird. Rechnet der Gewerbetreibende mit sinkenden Gewinnen, muss er eine solche Anpassung bei der Gemeinde beantragen.

Sofern der Unternehmer die tatsächliche Gewerbesteuer nicht durch die geleisteten Vorauszahlungen abgegolten hat, muss er den Steuerbetrag einen Monat nach Erhalt des Steuerbescheides leisten.

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Freiberufler, selbstständiger Unternehmer und bereits seit über zehn Jahren erfolgreich selbstständig.