Gewerbeanmeldung

Nebenberufliches Gewerbe: Tätigkeit im Nebenerwerb4 min Lesezeit

Der Begriff "Nebengewerbe" bedeutet, dass der Betroffene eine gewerbliche Tätigkeit nicht hauptberuflich, sondern nebenberuflich ausübt. In diesem Fall stellt der Gewerbebetrieb eine Nebeneinnahmequelle dar.

4. Mai 2019 3 min Lesezeit

Nebenberufliches Gewerbe: Tätigkeit im Nebenerwerb4 min Lesezeit

Das klassische Beispiel ist eine Person, die hauptberuflich als Arbeiter oder Angestellter beschäftigt ist und in der Freizeit gewerbliche Tätigkeiten ausführt. Zudem können Studenten, Arbeitslose und Rentner ein Nebengewerbe ausüben.

Kriterien: Wann liegt ein Nebenerwerb vor?

Der Gesetzgeber hat den Begriff Nebenerwerb nicht näher definiert. Aus versicherungsrechtlicher Sicht bestimmt sich ein nebenberufliches Gewerbe nach dem Ausmaß der selbstständigen Tätigkeit. Aus den Hinweisen des GKV-Spitzenverbandes ergeben sich einige Anhaltspunkte, wie sich der Begriff Nebenerwerb definieren lässt:

  • Zeitaufwand: Gewerbetreibende, die als nebenberuflich gelten, üben ihre Gewerbetätigkeit halbtags aus. Der Zeitaufwand darf nicht mehr als 20 Stunden pro Woche betragen. Dies beinhaltet auch Vorbereitungen, Nacharbeiten, Behördenerledigungen sowie kaufmännische und organisatorische Tätigkeiten.
  • Verhältnis zum Haupterwerb: Das nebenberufliche Gewerbe darf den Haupterwerb zeitlich und wirtschaftlich nicht übertreffen. Das bedeutet, dass das Einkommen aus dem Nebenerwerb das Arbeitseinkommen aus dem Beschäftigungsverhältnis nicht überschreitet.

Merke: Die Versicherungsträger berücksichtigen mehrere Faktoren, um zu beurteilen, ob ein nebenberufliches Gewerbe vorliegt.

Arbeitnehmer: Pflichten aus dem Arbeitsvertrag berücksichtigen

Angehende Gewerbetreibende, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, sollten die geplante Ausübung eines Nebengewerbes mit dem Arbeitgeber abklären. Der Arbeitsvertrag gibt regelmäßig Aufschluss darüber, ob und in welchem Ausmaß eine Selbstständigkeit neben der unselbstständigen Beschäftigung möglich ist.

Betroffene dürfen mit dem Nebengewerbe

  • nicht mit dem Arbeitgeber in einen Wettbewerb treten.
  • keine Informationen aus dem Beschäftigungsverhältnis an Dritte weitergeben.
  • nicht die Arbeitsleistung im Hauptarbeitsverhältnis schmälern.

Merke: Sicherheitshalber lassen sich Betroffene die Erlaubnis zur Ausübung eines Nebengewerbes vom Arbeitgeber schriftlich bestätigen.

Studenten: 20-Stunden-Grenze für den Nebenerwerb

Studenten dürfen ergänzend zum Bezug von Kindergeld und BAföG mit einer nebenberuflichen Tätigkeit einen Zusatzverdienst erzielen. Der maximale Grenzwert für die Arbeitszeit liegt bei 20 Stunden wöchentlich.

Der Großteil der Studierenden unterliegt der Familienversicherung und leistet keine zusätzlichen Krankenkassenbeiträge. Studenten, die ein Gewerbe im Nebenerwerb gründen, sollten allerdings die Krankenkasse über ihr Vorhaben informieren und regelmäßig die Einkommensteuerbescheide vorlegen, da relativ niedrige Einkommensgrenzen bestehen.

Merke: Um Kürzungen und Rückzahlungen bei staatlichem Kindergeld und BAföG zu vermeiden, sollten Studierende rechtzeitig die Familienkasse und das Studentenwerk kontaktieren.

Rentner: In einigen Fällen gilt Hinzuverdienstgrenze

Rentner, die eine Altersrente beziehen, sind an keine bestimmten Grenzwerte gebunden und erhalten den Rentenbetrag in voller Höhe. Allerdings können sich die Krankenversicherungsbeiträge erhöhen. Unternehmensgründer, die eine Berufsunfähigkeits-, Witwen- oder Waisenrente bekommen, müssen eine Hinzuverdienstgrenze einhalten, um keine Einbußen bei der Rente zu erleiden.

Arbeitslose: 15-Stunden-Grenze

Arbeitslose können während ihrer Arbeitslosigkeit eine gewerbliche Tätigkeit ausüben, sofern sie ihr Vorhaben mit der Agentur für Arbeit absprechen. Sie erhalten das Arbeitslosengeld nur dann, wenn das Nebengewerbe einen Umfang von 15 Stunden pro Woche nicht überschreitet und eine Anstellung in einem Arbeitsverhältnis ermöglicht. Für Existenzgründer bleibt die Sozialversicherung über die Arbeitsverwaltung aufrecht.

Merke: Erreicht die wöchentliche Arbeitszeit die 15-Stunden-Grenze, ist der Gewerbetreibende nicht mehr als Arbeitsloser einzustufen. Damit entfallen die Leistungen der Agentur für Arbeit.

Nebenberufliches Gewerbe anmelden und diese Punkte beachten

Wer ein nebenberufliches Gewerbe ausübt, muss dieselben Meldepflichten beachten wie jemand, der ein hauptberufliches Gewerbe betreibt.

  • Das Formular zur Gewerbeanmeldung ausfüllen
    Das bedeutet, dass Betroffene das klassische Formular zur Gewerbeanmeldung ausfüllen müssen. Die Frage nach einem Nebengewerbe ist mit „Ja“ anzukreuzen. Damit bestätigt der Betroffene, dass er seine gewerbliche Tätigkeit (vorerst) als Nebenerwerb ausübt.
  • Zulassungs- und Erlaubnispflichten einhalten
    Zeigt der angehende Gewerbetreibende ein Nebengewerbe an, folgt die Gewerbeanzeige dem üblichen Weg. Das Gewerbeamt übermittelt die Gewerbeanmeldung an das Finanzamt, die zuständige Kammer (IHK oder HWK) und die Berufsgenossenschaft.
    Bei einem Gewerbebetrieb im Nebenerwerb sind dieselben Zulassungs- und Erlaubnispflichten einzuhalten wie bei einem Hauptgewerbebetrieb. Es kann sein, dass eine Erlaubnis einzuholen oder ein Fachkundenachweis zu erbringen ist. Bei einigen Gewerbetätigkeiten müssen die Betroffenen ihre persönliche und wirtschaftliche Zuverlässigkeit nachweisen. Dies gilt auch für ein Nebengewerbe. Der Betroffene füllt beim nebenberuflichen Gewerbe einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und erhält für seinen Gewerbebetrieb eine Steuernummer.
  • Krankenversicherung
    Das Recht, ein nebenberufliches Gewerbe auszuüben, hat grundsätzlich jeder. Die zuständigen Stellen prüfen und bewerten die Verpflichtungen für Renten- und Krankenversicherung bezogen auf den Einzelfall. Deshalb ist es wichtig, dass sich jeder Betroffene vorab bei den zuständigen Versicherungsträgern meldet und deren Bewertung einholt. Im Idealfall lässt er sich eine schriftliche Bestätigung der jeweiligen Versicherung ausstellen.
  • Gesetzliche Unfallversicherung
    Je nach Branche können auch Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung fällig werden. Ob eine solche Versicherungspflicht besteht oder eine Befreiung von derselben möglich ist, klärt der Betroffene mit der zuständigen Berufsgenossenschaft ab. Allenfalls kommt auch eine freiwillige Versicherung in Betracht.
  • Betriebliche Versicherungen und Förderungen
    Auch Gewerbetreibende, die ihre Tätigkeit im Nebenerwerb führen, gehen Risiken ein und sollten sich gegen etwaige Schäden mit einer Firmenversicherung absichern. Ob eine betriebliche Versicherung notwendig ist, kann jeder Betroffene nur im Einzelfall entscheiden. Wer einen Gewerbebetrieb im Nebenerwerb gründet, hat im Gegensatz zu Gewerbetreibenden im Vollerwerb nur wenige Fördermaßnahmen zur Verfügung. Es gibt nur vereinzelt geförderte Kreditprogramme sowie Schulungs- und Coachingangebote.

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Freiberufler, selbstständiger Unternehmer und bereits seit über zehn Jahren erfolgreich selbstständig.