Gewerbeanmeldung

Typische Fehler bei der Gewerbeanmeldung vermeiden4 min Lesezeit

Mit der Gewerbeanmeldung liegt die offizielle Bestätigung des Gewerbeamtes vor. Das dazugehörige Formular lässt sich problemlos im Internet öffnen und ist schnell ausgefüllt. Angehende Gewerbetreibende sollten jedoch einige Punkte beachten und sorgfältig überlegen, um typische Fehler bei der Gewerbeanmeldung zu vermeiden.

10. Mai 2019 3 min Lesezeit

Typische Fehler bei der Gewerbeanmeldung vermeiden4 min Lesezeit

Fehler 1: Gewerbe unnötig anmelden

Wer ein Gewerbe anmeldet, obwohl es gar nicht nötig ist, verursacht unangenehme Folgekosten. Selbstständige, die freiberuflich tätig sind, dürfen ihre Tätigkeit ohne vorherige Gewerbeanzeige ausüben und ersparen sich die Gewerbesteuer.

Tipp: Um eine unnötige Gewerbeanmeldung zu vermeiden, sollten sich angehende Existenzgründer vorab mit der Unterscheidung zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit auseinandersetzen.

Fehler 2: Tätigkeitsfeld ungenau formulieren

Das Gewerbeamt verlangt eine genaue Beschreibung des Tätigkeitsfeldes, in dem der Gewerbetreibende auftritt. Allgemeine Formulierungen wie der Handel mit Waren, der Verkauf von Produkten, die Herstellung von Waren oder das Anbieten von Dienstleistungen sind zu ungenau. In diesem Fall muss der Betroffene mit Rückfragen rechnen.

Merke: Der Tätigkeitsschwerpunkt und weitere Tätigkeiten sind detailliert und prägnant zu formulieren. Erforderlich sind Warengruppen oder Überbegriffe.

Beispiele für genaue Tätigkeitsbeschreibungen: Herstellung von Küchenmöbeln, Einzelhandel mit Lebensmitteln, Installation von Sanitäranlagen

Fehler 3: Handwerk falsch einstufen

Handwerksbetriebe stufen ihre Tätigkeit oftmals falsch ein. Sie müssen das zulassungsfreie Handwerk und handwerksähnliche Gewerbe vom Vollhandwerk unterscheiden. Diese Beispiele verdeutlichen die Differenzierung im Handwerksbereich:

  • Zulassungsfreie Handwerke und handwerksähnliche Gewerbe: beispielsweise Textilreiniger, Uhrmacher und Weinküfer
  • Vollhandwerk: Dachdecker, Elektrotechniker, Maurer, Metallbauer und Zimmerer

Fehler 4: Gewerbeanmeldung mit Gewerbeerlaubnis verwechseln

Die Gewerbeanmeldung bedeutet nicht automatisch, dass der Gewerbetreibende ohne weitere Voraussetzungen die Tätigkeit ausüben kann. Für manche Gewerbe verlangt der Gesetzgeber eine spezielle Erlaubnis, ohne die Betroffene nicht gewerblich tätig sein dürfen.

Um eine unzulässige Gewerbeausübung zu verhindern, sollten sich angehende Gewerbetreibende darüber informieren, ob ihre Tätigkeiten eine Erlaubnis oder Genehmigung voraussetzen. Für diese Gewerbearten müssen Betroffene beispielsweise eine Zustimmung der zuständigen Behörde einholen:

Erlaubnis nach der GewerbeordnungGenehmigung nach anderen Gesetzen
Anlageberater
Bewachung
Makler
Pfandleiher
Spielhallenbetreiber
Versteigerungen
Versicherungsberater
Reisegewerbe
Arbeitnehmerüberlassung
Arzneimittelherstellung
Finanzdienstleister
Fahrschulbetreiber
Gaststätten
Personenbeförderung
Tierhandel
Waffenherstellung

Merke: Diese Übersicht listet nur einige Beispiele auf. Ob das Gewerbe eine Genehmigung erfordert und welche Voraussetzungen der Gewerbetreibende mitbringen muss, sollte bereits vor der Gewerbeanmeldung geklärt werden.

Fehler 5: Mit dem Gewerbebetrieb nicht im Nebenerwerb starten

Für manche Existenzgründer kann es ein Fehler sein, das Gewerbe im Haupterwerb und nicht im Nebenerwerb zu gründen. Arbeitnehmer, die ihren Job aufgeben, um einen Gewerbebetrieb zu führen, laufen Gefahr, dass sie sich finanziell übernehmen. Gerade in der Anfangsphase fallen die Umsätze und Gewinne häufig niedriger aus als gehofft. Trotzdem muss der Gewerbetreibende die hohen Krankenversicherungsbeiträge und die Beiträge in der Rentenversicherung entrichten.

Tipp: Existenzgründer sollten sich bereits bei der Gewerbeanmeldung überlegen, ob sie das Gewerbe nicht vorerst im Nebenerwerb führen möchten, um zu sehen, wie erfolgreich die Tätigkeit verläuft. Gründungswillige, die keine Arbeitnehmer sind, können ebenfalls ein nebenberufliches Gewerbe ausüben. Sobald das eigene Unternehmen gut angelaufen ist und positive Zukunftsaussichten zeigt, kann der Gewerbetreibende vom nebenberuflichen Gewerbe in die völlige Selbstständigkeit wechseln.

Fehler 6: Die Kleinunternehmerregelung ohne Überlegungen wählen

Die Kleinunternehmerregelung erleichtert so manchem Gründungswilligen die berufliche Selbstständigkeit. Allerdings ist sie nicht immer die optimale Wahl. Gewerbetreibende, die hohe Geschäftsausgaben haben, können sich die dafür bezahlte Umsatzsteuer nicht über den Vorsteuerabzug vom Finanzamt zurückholen.

Tipp: Idealerweise überlegen sich Existenzgründer bereits vor der Gewerbeanmeldung, ob sie regelmäßig hohe Ausgaben für den Gewerbebetrieb haben. In diesem Fall kann die Kleinunternehmerregelung Nachteile bringen. Dies gilt auch dann, wenn der angehende Gewerbetreibende hauptsächlich Unternehmen als Kunden hat.

Fehler 7: Die falsche Rechtsform wählen

Wählt ein Betroffener eine Rechtsform, die für ihn nicht optimal ist, kann dies zusätzliche Kosten verursachen. Die Wahl der Unternehmensform hat Auswirkungen auf die Buchführung und kann Verpflichtungen nach sich ziehen.

Tipp: Bevor sich Existenzgründer für eine bestimmte Unternehmensform entscheiden, sollten sie die jeweiligen Vor- und Nachteile abwägen. Die Haftungsbeschränkung sollte nicht der alleinige Grund sein, um beispielsweise eine GmbH oder UG zu wählen. Der Gründungsaufwand ist in diesem Fall größer und die Rechnungslegungspflichten verursachen höhere Kosten als die Gründung eines Einzelunternehmens oder einer GbR. Es kann sich lohnen, vor der Gewerbeanmeldung mit einem Steuerberater die Frage der Rechtsform zu besprechen.

Fehler 8: Nachträglichen Umzug des Gewerbebetriebes nicht melden

Bei der Gewerbeanmeldung ist die Adresse des Gewerbebetriebes anzugeben. Verlegt der Gewerbetreibende später den Firmensitz, ohne die Behörde über den Umzug zu informieren, begeht er einen Fehler.

Betroffene müssen dem Finanzamt jeden Ortswechsel des Gewerbebetriebes anzeigen.

Achtung: Fehler bei der Gewerbeanmeldung vermeiden

Für Existenzgründer ist es wichtig, sich diese Punkte sorgfältig zu überlegen, bevor sie eine Gewerbeanzeige abgeben. Fehler bei der Gewerbeanmeldung können unnötige Folgekosten verursachen. Dies gilt insbesondere für falsche Entscheidungen bei Nebenerwerb, Rechtsform und Kleinunternehmerregelung.

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Freiberufler, selbstständiger Unternehmer und bereits seit über zehn Jahren erfolgreich selbstständig.